Was hat der ADFC Halle bisher für den Radverkehr in Halle erreicht?

Radverkehr hat festen Platz in der hallischen Politik

Als Lobby der Radfahrer*innen leisten wir auf vielfältigen Kanälen Aufklärungsarbeit zur Verbesserung des Radverkehrs. Unsere Pressemitteilungen und Stellungnahmen, erreichen die allgemeine Bevölkerung, die Stadtverwaltung und die gewählen Volksvertreter*innen auf vielfältigen Kanälen: per Zeitung und Rundfunk, über lokale Onlinemedien, in sozialen Medien, am Runden Tisch Radverkehr, im Austausch mit den Stadtratsfraktionen, auf Demonstrationen und durch die Unterstützung der Critical Mass.

Somit ist es auch das Verdienst des ADFC Halle, dass das Thema Radverkehr einen festen Platz in der hallischen Politik einnimmt. So wurden z.B. bei der vergangenen Oberbürgermeisterwahl in Halle in den Wahlprogrammen fast aller Parteien Verbesserungen für den Radverkehr in Aussicht gestellt.

Wir sehen es als langfristigen Erfolg unserer Arbeit an, dass die Verkehrsplaner*innen bei vielen Straßenbaumaßnahmen im Stadtgebiet eine zunehmend komfortablere und verkehrssichere Radinfrastruktur schaffen. Als positive Beispiele sind hier der Gimritzer Damm, der Böllberger Weg oder der neue Radweg entlang der wilden Saale zu nennen. Leider gibt es aber auch immer wieder Planungen, wie z.B. am Joliot-Curie-Platz, wo Radwegen nur Mindestmaße eingeräumt werden oder der Radverkehr auf umständlichen oder gefährlichen Wegen geführt wird. Daher können wir noch nicht behaupten, dass in Halle der Radverkehr gleichberechtigt neben dem Kraftverkehr mitgedacht wird. Hallische Radfahrer*innen wird diese Erkenntnis wohl kaum überraschen.

Fahrradbügel, Radwege und Mischverkehr

Doch welche handfesten Erfolge haben wir vorzuweisen? Auf einige Beispiele sei verwiesen. Die Stadt Halle hat sich auf unsere Anregung hin im Jahr 2016 eine Radabstellanlagensatzung gegeben. Die Ausstattung des öffentlichen Raumes mit Fahrradbügeln verbessert sich seitdem zusehends. Die Bügel werden von den Radfahrer*innen auch überwiegend gut angenommen.

Nach sechsjährigem Kampf haben wir mit Hilfe der Presse und einzelner Stadtratsfraktionen erreicht, dass die Stadt an der Kröllwitzer Straße einen Radweg ausgewiesen hat. Ebenso ist es uns mit Unterstützung einiger Ladenbesitzer nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit der Stadtverwaltung gelungen, dass in der Kleinen Ulrichstraße drei Kfz-Stellplätze umgewandelt wurden; eine solche Umwandlung auf Initiative eines Vereins hin ist bisher einmalig in Sachsen-Anhalt. Seitdem stehen dort Fahrradbügel, die auch häufig komplett belegt sind. Das ist nicht nur ein Erfolg für Radfahrende, sondern auch für die Geschäfte, Bars, Kneipen und Cafés in der Kleinen Ulrichstraße, die nun per Rad noch besser erreichbar sind. Zusammenfassend zeigt das zum einen, dass sich Beharrlichkeit am Ende auszahlt, zum anderen aber, dass es zu oft noch großer Beharrlichkeit bedarf, um Radverkehrsbelange zum Positiven zu wenden.

Es gibt in Halle zahlreiche Einbahnstraßen. Wir setzen uns für eine Öffnung von Einbahnstraßen in beide Richtungen für Radfahrende ein und unterbreiten der Stadtverwaltung dahingehend Vorschläge. In vielen Fällen wurden Einbahnstraßen daraufhin schon geöffnet.

Auf Initiative des ADFC wurde 2013 in Halle an 24 Straßen Wahlfreiheit für Radfahrer*innen ermöglicht, d.h. dort können die Radler*innen nun selbst entscheiden, ob sie auf dem Radweg oder auf der Straße fahren wollen. Bei weiteren Straßen, wie der Magdeburger Straße, der Talstraße oder zuletzt der Geiststraße haben wir erfolgreich Klagen zur Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht unterstützt.

Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ist es manchmal erforderlich, die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. Seit 2016 wurden auf radverkehrsrelvanten Teilen der Kröllwitzer Str., am August-Bebel-Platz und zuletzt in der Bernburger Str. Tempo 30 angeordnet. Weitere von uns unterstützte Anträge liegen für die Richard-Wagner und die Seeberner Str bei der Stadtverwaltung vor.

Zukunftsvisionen für den Radverkehr

Vielfach entwickeln wir Ideen und Konzepte, die erst nach Jahren Realität werden. So haben wir 2003 den Metroradweg als Radschnellverbindung zwischen Halle und Leipzig initiiert. Er wurde damals in den Landesradverkehrsplan Sachsen-Anhalt aufgenommen, von den Städten Halle und Leipzig befürwortet sowie bereits planerisch unterstütz; nur fehlte das Geld für die Umsetzung. Mitterweile treibt der ADFC Leipzig den Radschnellweg Halle-Leipzig mit großer Energie und hervorragendem Einsatz voran. Dieser ist zwar noch nicht fertiggestellt, geht aber langsam (Stand: Frühjahr 2020) in die Umsetzungsphase. Von einem unserer Aktiven wurden im Rahmen einer Seminararbeit Vorschläge für weitere innerstädtische Radrouten ausgearbeitet.

Ebenfalls vom ADFC stammt die Idee einer Radstation am hallenser Hauptbahnhof. Es gab bereits im Jahr 2003 eine ADFC-Machbarkeitsprüfung, eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, die Idee wurde im Stadtrat diskutiert, danach gab es Anträge, Bauskizzen und dann lange Zeit nichts. Bis nach vielen Jahren die Radstation jetzt (Stand: Frühjahr 2020) in abgespeckter Form bald Wirklichkeit werden soll.

Ein weiteres Beispiel ist der von uns im Jahre 2009 initiierte Antrag im Stadtrat, den Saaleradweg auf das Niveau eines nationalen Fernradwanderweges auszubauen, d.h. vorrangig asphaltiert auf 2,50&nbp;m Breite. Bis heute sind vier von sieben der damals beantragten Abschnitte realisiert. Für zwei weitere gibt es konkrete Zeitpläne und Finanzierungen.

Im Jahr 2018 hat David Tucker vom ADFC das Konzept Radbahn 2020 entwickelt (Siehe Karte). Dabei handelt es sich um einen möglichen Radschnellweg zwischen dem S-Bahnhof Silberhöhe und der Hafenbahn, also mit weiterer Anbindung an den Hauptbahnhof. Es wurde von der Stadtverwaltung mit Interesse aufgenommen und in das Radverkehrskonzept, leider noch ohne konkrete finanzielle Untersetzung, integriert. Mal sehen, ob die Südstadt und Silberhöhe in ein paar Jahren nicht doch durch eine Radschnellverbindung aufgewertet werden können – Radbahn 2025? Radbahn 2030?

Für solche großen Vorhaben braucht es Geduld: Die Ideen brauchen Zeit um zu wirken und am Ende muss sich die richtige Kombination von politischem Willen und verfügbaren Finanzen einstellen, dass es zu einer Umsetzung kommt. Dazu ist es notwendig, dass wir diese Vorhaben immer wieder auf die Tagesordnung stellen und Begeisterung für sie wecken.

Wir, der ADFC Halle, sind ein wichtiges Korrektiv und ein wichtiger Ideengeber für die hallische Verkehrspolitik und -planung. Für die Gestaltung der Verkehrswende sind wir wichtiger denn je. Wenn du uns bei diesem Unterfangen unterstützen willst, melde dich: halle@adfc-sachsenanhalt.de

Übersichtskarte der vorgeschlagenen Radbahn 2020 (in rot zwischen S-Bahnhof Silberhöhe und Hafenbahn). In gelb: weitere mögliche zukünftige Radwegetrassen.

Hintergrundkarte von opencyclemap.org. Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, CC BY-SA.

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